{"id":248,"date":"2016-04-13T19:56:38","date_gmt":"2016-04-13T17:56:38","guid":{"rendered":"http:\/\/lenazumsteg.ch\/?p=248"},"modified":"2016-04-13T20:04:44","modified_gmt":"2016-04-13T18:04:44","slug":"dem-papier-verfallen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/lenazumsteg.ch\/index.php\/2016\/04\/13\/dem-papier-verfallen\/","title":{"rendered":"Dem Papier verfallen"},"content":{"rendered":"<p><em>Fasziniert von der Vielseitigkeit des Papiers, arbeitet die freiburgische K\u00fcnstlerin Viviane Fontaine seit 40 Jahren mit diesem Material. Eine Leidenschaft, die sie bereits in jeden Winkel der Welt gebracht hat. <\/em><\/p>\n<p>Mit einem durchsichtigen Plastikhandschuh an ihrer Hand winkt sie aus dem Fenster ihres Ateliers. Ihr herzliches \u00abBienvenue\u00bb durchbricht die Stille im abgelegenen Dorf Cerniat, im freiburgischen Gruy\u00e8re. Im Atelier, das sich im Dachgeschoss ihres Hauses befindet, herrscht Ordnung in der k\u00fcnstlerischen Unordnung. Sie r\u00e4umt ein gr\u00fcnes Kleid, dessen Form sie gerade um\u00e4ndert, zur Seite. Rund um den niedrigen, abgenutzten Holztisch stehen drei viel zu hohe Hocker. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7232-1024x683.jpg\" alt=\"viviane fontaine\" width=\"960\" height=\"640\" class=\"alignleft size-large wp-image-265\" srcset=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7232-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7232-300x200.jpg 300w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7232-768x512.jpg 768w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7232-192x128.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<blockquote class=\"alignright\">\n<p style=\"text-align: right;\">Die Transformation von einem Material zu einem anderen ist magisch.<\/p>\n<\/blockquote>\n<p><strong>Kunst mit Papier<\/strong><br \/>\nViviane Fontaine putzt sich die Brille an ihrem gr\u00fcn schimmernden Foulard und ist bereit, aus ihrem Leben zu erz\u00e4hlen. Aus einem Leben, das gepr\u00e4gt ist von intensiven Arbeitsstunden, internationalen Ausstellungen und k\u00fcnstlerischer Freiheit. \u00abMeine Eltern hatten mit Kunst nichts am Hut\u00bb, sagt Viviane Fontaine. F\u00fcr sie sei aber seit jeher klar gewesen, dass die Kunst zu ihrem Lebensmittelpunkt werden soll. Beim Erz\u00e4hlen l\u00e4sst sie immer wieder ihren Blick durch das Atelier schweifen. In jeder noch so kleinen Nische stehen fertige Kunstwerke, die in Ausstellungen rund um den Globus bewundert wurden. Was ihre Arbeiten so einzigartig machen, ist das Material. Ihre Leidenschaft, das Papier, ist die Basis ihrer Kunst. Sie sch\u00f6pft es selbst. \u00abDie Transformation von einem Material zu einem anderen ist magisch\u00bb, sagt Fontaine voller Euphorie. Man k\u00f6nne damit so unterschiedliche Dinge erstellen. Haupts\u00e4chlich arbeitet sie mit zwei verschiedenen Arten von Papier: dem \u00abpapier chiffon\u00bb und dem \u00abpapier japon\u00bb. F\u00fcr die Herstellung des ersten Papiers, dem Hadernpapier, verwendet sie haupts\u00e4chlich heimische Pflanzen. F\u00fcr das sehr d\u00fcnne und deshalb lichtdurchl\u00e4ssigere japanische Papier eignen sich japanische Pflanzen mit l\u00e4ngeren Fasern jedoch besser. Bei der Herstellung von Papier werden die Pflanzen aufgekocht, zerkleinert und gesiebt. Sechsmal hat sie Japan bereits besucht und immer wieder Neues gelernt. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7221-1024x683.jpg\" alt=\"kunst mit papier\" width=\"960\" height=\"640\" class=\"alignleft size-large wp-image-263\" srcset=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7221-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7221-300x200.jpg 300w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7221-768x512.jpg 768w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7221-192x128.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p>Ihre Faszination zur japanischen Kultur ist nicht nur am Material sichtbar. Unter einem der Dachfenster steht ein dunkles Holztischchen, welches mit Erinnerungsst\u00fccken aus dem Inselstaat dekoriert ist. Um die Unterschiede der Materialien zu verdeutlichen, steht die kleine K\u00fcnstlerin auf, r\u00fcckt ihre selbstgestrickte Weste zurecht und l\u00e4uft zielstrebig in die hinterste Ecke. Diese ist von einem langen, weissen Papiervorhang abgetrennt. W\u00e4hrend sie in die Knie geht, um ihre Lieblingsobjekte hervorzukramen, fallen ihr ihre Haare ins Gesicht. Papierkost\u00fcme, die vor sechs Jahren in der Oper \u00abH\u00e4nsel und Gretel\u00bb getragen wurden, Schmetterlinge, deren Fl\u00fcgel aus transparenten Bl\u00e4ttern gefertigt wurden und Objekte, die vom Licht- und Schattenspiel leben.<\/p>\n<h1 style=\"text-align: center;\">Manchmal f\u00fchre ich f\u00f6rmlich Krieg gegen das Papier.<\/h1>\n<p><strong>Ort der Inspiration<\/strong><br \/>\nIn der laufenden Ausstellung \u00abr\u00e9trospective\u00bb in Genf gew\u00e4hrt Fontaine zu ihrem 40-j\u00e4hrigen K\u00fcnstlerjubil\u00e4um Einblicke in vergangenes und aktuelles Schaffen. Bis zur Er\u00f6ffnung m\u00fcsse sie noch einige Objekte fertigstellen, sagt die K\u00fcnstlerin und zeigt auf eine riesige, halbfertige Papierkugel. \u00abManchmal f\u00fchre ich f\u00f6rmlich Krieg gegen das Papier. Es braucht viel Geduld.\u00bb  Diese brauchte sie auch im Laufe ihrer Karriere. Sie erinnert sich an ihre Anf\u00e4nge. \u00abAls Frau musste man auch in der Schweiz um Respekt und Aufmerksamkeit k\u00e4mpfen, damit man als K\u00fcnstlerin \u00fcberleben konnte\u00bb, sagt Fontaine. Heute sei es etwas besser, aber immer noch nicht komfortabel. <\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7219-1024x683.jpg\" alt=\"kunst mit papier 2\" width=\"960\" height=\"640\" class=\"alignleft size-large wp-image-275\" srcset=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7219-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7219-300x200.jpg 300w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7219-768x512.jpg 768w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7219-192x128.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7198-e1460569922808-683x1024.jpg\" alt=\"kunst mit papier 3\" width=\"683\" height=\"1024\" class=\"aligncenter size-large wp-image-264\" srcset=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7198-e1460569922808-683x1024.jpg 683w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7198-e1460569922808-200x300.jpg 200w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7198-e1460569922808-768x1152.jpg 768w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7198-e1460569922808-128x192.jpg 128w\" sizes=\"auto, (max-width: 683px) 100vw, 683px\" \/><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7216-1024x683.jpg\" alt=\"kunst mit papier 4\" width=\"960\" height=\"640\" class=\"aligncenter size-large wp-image-279\" srcset=\"http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7216-1024x683.jpg 1024w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7216-300x200.jpg 300w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7216-768x512.jpg 768w, http:\/\/lenazumsteg.ch\/wp-content\/uploads\/2016\/04\/IMG_7216-192x128.jpg 192w\" sizes=\"auto, (max-width: 960px) 100vw, 960px\" \/><\/p>\n<p>Trotzdem will sie ihrer Linie treu bleiben und nimmt keine Auftr\u00e4ge an: \u00abIch m\u00f6chte mir nichts von anderen diktieren lassen.\u00bb Um dennoch vom K\u00fcnstlerdasein leben zu k\u00f6nnen, bietet sie regelm\u00e4ssig Kurse in ihrem Atelier an, welche ihr dann wiederum Inspiration f\u00fcr neue Arbeiten geben. Beim Verabschieden blickt sie aus dem grossen Fenster auf die verschneite, einsame Landschaft. \u00abDie Natur bringt mich immer wieder auf neue Ideen.\u00bb Das Aufh\u00f6ren \u00fcberl\u00e4sst die 62-J\u00e4hrige anderen. Sie wird sich weiterhin leidenschaftlich dem Papier hingeben.<\/p>\n<p>Die Reportage ist in einer Zusammenarbeit mit Julia Koller entstanden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fasziniert von der Vielseitigkeit des Papiers, arbeitet die freiburgische K\u00fcnstlerin Viviane Fontaine seit 40 Jahren mit diesem Material. Eine Leidenschaft, die sie bereits in jeden Winkel der Welt gebracht hat. Mit einem durchsichtigen Plastikhandschuh an ihrer Hand winkt sie aus dem Fenster ihres Ateliers. 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